Aktuelles aus Hünfeld

Vertreibung als Teil der Regionalgeschichte

Hünfeld. Die Friedlandstube ist nach aufwendigem Umzug und Wiederaufbau im Wohnhaus der Johann-Adam-Förster-Schule in Hünfeld wiedereröffnet worden. Sie beherbergt nicht nur Bücher und Schriften aus der Heimat vieler Vertriebener, sondern auch zahlreiche Bilder, Modelle und originale Fundstücke, die Aufschluss über das Leben und die Geschichte des Heimatkreises Friedland geben.

Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmidt, der gemeinsam mit dem Leiter der Friedlandstube, Franz Hanika, und der Landesbeauftragten für Vertriebene, Margarethe Ziegler-Raschdorf, die Friedlandstube wiedereröffnen konnte, hob hervor, dass die Heimatgeschichte der Vertriebenen und ihre Ankunft in der Region ein wichtiger Bestandteil der Regionalgeschichte seien. Die vielen Vertriebenen, die im

Landkreis Fulda eine neue Heimat gefunden haben, hätten natürlich auch das Leben im Landkreis Fulda in den letzten Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt. Es sei wichtig, dass die Erinnerung daran lebendig gehalten würde, zumal die Zahl derer, die noch aus eigener Anschauung über die ehemalige Heimat, die Vertreibung und die Ankunft in der Region berichten könnten, immer geringer werden.

Margarethe Ziegler-Raschdorf betonte, dass der Landkreis Fulda in vorbildlicher Weise seiner Verantwortung für den Erhalt der Geschichte und Kultur der Vertriebenen gerecht werde. Die Friedlandstube gehöre zu den schönsten Einrichtungen ihrer Art in ganz Hessen. Zahlreiche Heimatstuben seien bereits aufgegeben worden, dabei stehe durch das Vertriebenengesetz von 1953 auch der gesetzliche Auftrag, das kulturelle Erbe und die Geschichte der Heimatvertriebenen zu wahren. Die Vertreibung Deutscher aus den ehemaligen Ostgebieten sei bis heute ein singuläres Ereignis. Immerhin seien es 15 Millionen Menschen gewesen, die ihre Heimat verloren hätten, rund 3 Millionen hätten die gewaltsame Vertreibung mit dem Leben bezahlt.

Auch Stadträtin Martina Sauerbier, die die Grüße der Stadt Hünfeld überbrachte, zeigte sich beeindruckt von der Friedlandstube, die sich durch viel Liebe zum Detail auszeichne. Die Stadt Hünfeld habe sich ihrer Verantwortung für die Neustädter Patenkinder aus dem Kreis Friedland gestellt und es bestehe auch eine enge Zusammenarbeit zwischen der Friedlandstube und dem Konrad-Zuse-Museum mit Stadt- und Kreisgeschichte in Hünfeld.

Die Grüße der ehemaligen Bewohner von Haindorf und anderer Ortschaften im Kreis Friedland überbrachte die Heimatbetreuerin Christel Gradl, die den Wiederaufbau der Friedlandstube als einen beispielgebenden Beitrag zum Tag des Ehrenamtes würdigte. Christel Gradl ist Tochter des Mitbegründers der Friedlandstube, Dr. Oskar Krömer.

Franz Hanika, der mit Unterstützung seiner Frau sowie von Hannelore und Adolf Born die Wiedereinrichtung der Friedlandstube umgesetzt hatte, dankte dem Landkreis Fulda, der in der JAF-Schule nach dem Umzug aus dem Kreishaus „einiges investiert“ habe, um der Friedlandstube einen würdigen und dauerhaften Platz zu geben. Der Umzug sei auch Anlass zu einer Inventur des Bestandes der Friedlandstube gewesen. Dabei sei auch viel Neues und bislang Übersehenes zutage gefördert worden, das die Ausstellung sehr bereichert habe.

Hanika führte durch die Ausstellung, die auch erstaunlich viele originale Ausstellungsstücke aus dem Friedlandkreis beherbergt, unter anderem eine schwere, Jahrhunderte alte Geldschatulle, die aus dem Schloss stammt, in dem der Feldherr Graf Wallenstein lebte oder original Brautkleider aus dem 19. Jahrhundert.

Heimatkreisbetreuer Gottfried Herbig hatte eingangs die zahlreichen Gäste zur Wiedereröffnung der Friedlandstube begrüßt und freute sich, dass die umfangreiche Sammlung jetzt wieder einen guten Platz gefunden habe. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch das Duo Zweiklang.

Der Kreis Hünfeld hatte 1961 eine Patenschaft für die ehemaligen Bewohner des Heimatkreises Friedland übernommen, nachdem bereits seit 1955 eine Patenschaft der Stadt Hünfeld für die ehemaligen Neustädter begründet worden war.