Navigation

Aktuelles aus Hünfeld

Faszination des Verlassenen

 Hünfeld. Seine Motive sind ebenso außergewöhnlich wie seine Maltechnik. Stefan Bircheneder zeigt in seinen großformatigen Ölgemälden alte Industriehallen, rostige Mitarbeiterspinde und andere Gebäude, die von Menschen verlassen wurden. Am Sonntag fand in Anwesenheit des jungen Künstlers die Vernissage seiner Ausstellung im Museum Modern Art statt.

Günter Liebau, Kurator der Ausstellung, bescheinigte dem Künstler altmeisterliche Techniken zu beherrschen, die fotorealistisch in Perfektion ausgearbeitet seien. Ihm gelinge es durch besondere Techniken, dreidimensionale Effekte zu erzielen, die den Betrachter mit ins Bild nehmen. Selbst kleine Details würden dabei zu Ikonen. Seine Bilder zeigen Motive von alten Fabrikhallen, beispielsweise aus Hof und Selb sowie aus dem Vogtland.
Es sei mitunter gar nicht so einfach, dort hineinzukommen, gestand der Künstler, dem es ein besonderes Anliegen ist, die Atmosphäre dieser Räume wiederzugeben. Der Betrachter werde dazu eingeladen, sich eine Welt vorzustellen nach einem Krieg oder einer großen Umweltzerstörung, befand Liebau, der den Künstler auf einer Kunstmesse in Karlsruhe kennengelernt hatte. Allerdings sind die Motive nicht fotorealistisch, sondern er fügt Kompositionen aus mehreren Bildern zusammen und versucht, ihnen eine neue Lichtstimmung zu geben.
Sein Anliegen, so der Künstler, sei es, Demut vor dem Geschehen in alten Fabriken zu vermitteln, und er sieht einen Kontext zu dem immer weiter schwindenden Ehrenkodex früherer Unternehmerpersönlichkeiten. Günter Liebau kündigte an, dass die Besucher am 22. Dezember noch einmal Gelegenheit haben würden, bei einer Finissage diesem außergewöhnlichen Künstler begegnen zu können. Zugleich werde dies die letzte Veranstaltung unter seiner Verantwortung sein, kündigte Liebau an, der zum Jahreswechsel seine Tätigkeit für das Museum beenden will.

Bürgermeister Stefan Schwenk zeigte sich in einem Grußwort überrascht von der besonderen Maltechnik des Künstlers. Seine Bilder hätten ihn im ersten Moment etwas irritiert, weil er glaubte, großformatige Fotos zu sehen. Erst beim genauen Ansehen werde deutlich, dass diese mit unglaublicher handwerklicher Präzision gemalt seien. Besonders beeindruckt zeigte sich der Bürgermeister auch von den dreidimensionalen Werken, die im Glockengasbehälter ausgestellt sind. Dort sind beispielsweise rostige Spinde dargestellt, die tatsächlich nicht aus Blech, sondern aus bemalten, aufgespannten Leinwänden bestehen. Die Ausstellung ist donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung zu sehen.

Zu unserem Bild:

Vor mehr als 100 Gästen stellte Kurator Günter Liebau den Künstler Stefan Bircheneder und seine Malerei im Museum Modern Art vor. Für die musikalische Umrahmung des Nachmittags sorgten Mike Jehn und Stefan Jäger mit Blues und Jazztiteln.

nach oben
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.