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Aktuelles aus Hünfeld

Spuren der Vergangenheit

Hünfeld. In Tschechien ist das Thema bis heute ein großes Tabu. Nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg, ausgegangen von Deutschland, mussten die Deutschen in den ehemaligen Ostgebieten einen hohen Preis zahlen und wurden unter menschenunwürdigen Bedingungen aus ihrer Heimat vertrieben. Das galt auch für Neustadt an der Tafelfichte im ehemaligen Kreis Friedland, aus dem 1946 zahlreiche vertriebene Bewohner ins Hünfelder Land kamen.

Eine Delegation heutiger Neustädter, die erst kürzlich nach Nové Mesto, wie Neustadt heute heißt, zugezogen waren, interessierten sich für diesen Teil der Geschichte ihrer Stadt und kamen dabei auf Hünfeld, wo 1946 rund 1.900 Vertriebene aus Neustadt und dem Kreis Friedland angekommen waren.
Betreut wurden die Besucher durch den Leiter der Friedlandstube, Franz Hanika. Die Gäste gehören einer christlichen Brüdergemeinde an, die in Neustadt ein Anwesen erworben hatte, auf dem zahlreiche Vertriebene zunächst interniert worden waren. Im Konrad-Zuse-Museum, in dem in einem Bereich auch an die Vertreibung und das Schicksal der Neustädter erinnert wird, hieß Bürgermeister Stefan Schwenk die Gäste aus Tschechien willkommen. Er verwies darauf, dass Hünfeld 1955 eine Patenschaft für die ehemaligen Bewohner von Neustadt übernommen habe, von denen viele in Hünfeld und im Hünfelder Land eine neue Heimat gefunden hätten. Die regelmäßigen Treffen der Neustädter und Friedländer bei den alle zwei Jahre stattfindenden Bundestreffen und die Neustädter Kirmes, die bis heute von den Ehemaligen gefeiert werde, ließen immer wieder Erinnerungen an die frühere Heimat lebendig werden, wie er aus zahlreichen Gesprächen entgegen genommen habe.
Schwenk freute sich, dass nun auch heutige Neustädter auf Spurensuche dieses Teils der Stadtgeschichte gegangen seien. Besonders hieß er auch die Gildenmutter der Neustädter Heimatgilde, Doris Gärtner, willkommen, die selbst noch die Vertreibung am eigenen Leib erdulden musste. Als besonderes Geschenk hatten die Gäste aus Neustadt für den Bürgermeister, für Franz Hanika und die Gildenmutter frisch abgefüllte Flaschen mit besonderem Heilwasser aus dem Sauerbrunnen von der Tafelfichte mitgebracht.
Während ihres zweitägigen Aufenthaltes waren die Gäste aus Neustadt im Hünfelder Bonifatiuskloster untergebracht. Neben einem Besuch im Museum stand auf ihrem Programm auch die Begegnung mit ehemaligen Bewohnern aus Neustadt und dem Kreis Friedland und ein Besuch in der Friedlandstube im Hünfelder Kreishaus. Als Dolmetscher fungierte Peter Kubicek aus Hünfeld, der auch in den Gesprächen zwischen ehemaligen Neustädtern und Friedländern und heutigen Bewohnern der Stadt übersetzte.

Zu unserem Bild:

Bürgermeister Stefan Schwenk begrüßte heutige Bewohner aus der Stadt Neustadt an der Tafelfichte im Konrad-Zuse-Museum. Als Gesprächspartner standen der Leiter der Friedlandstube, Franz Hanika, und Gildenmutter Doris Gärtner zur Verfügung.

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