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Aktuelles aus Hünfeld

In Rohbauzustand "zurückgebaut"

Hünfeld. Im Rahmen eines Ortstermins haben sich Mitglieder des Magistrates einen unmittelbaren Eindruck von dem Baufortschritt im Hünfelder Rathaus verschafft. Während nun auch Außen der Umbau sichtbar wird, nachdem die Rathaustreppen zur Sanierung abgebaut wurden, präsentiert sich das Rathausinnere gegenwärtig fast in einem Rohbauzustand.

Architekt David Schwanitz, Bürgermeister Stefan Schwenk und der zuständige Projektleiter der Stadtverwaltung, Thomas Henkel, zeigten bei dem Rundgang auch die bautechnischen Probleme auf, die durch zahlreiche Umbaumaßnahmen in der fast 130-jährigen Geschichte des Rathauses entstanden sind. Das 1891 fertig gestellte Gebäude hat in seiner Geschichte zahlreiche kleinere und große Umbaumaßnahmen erlebt, die alle Spuren hinterlassen haben. Nach Aussagen von Architekt Schwanitz vom Büro Staubach und Partner lassen sich daran auch fast 130 Jahre Bauhandwerksgeschichte ablesen. So ist bei den Abbruch- und Demontagearbeiten ein bunter Mix verschiedenster Baumaterialien aus unterschiedlichen Epochen freigelegt worden. Neben Ziegelstein- und Sandsteinmauerwerk gibt es Betonstürze, Holzbalken, Stahlkonstruktionen, aber auch Gasbetonsteine aus unterschiedlichen Epochen. Auch die Deckenaufbauten sind im gesamten Haus sehr unterschiedlich, von Holzdecken mit Spalierbrettern und Schüttungen über nachträglich eingezogene Betondeckenelemente, beispielsweise im 1968 eingefügten Treppenhaus und Foyer-Bereich, bis zu Holzdecken mit Gussasphalt-Estrichen. Jede Decke ist verschieden, aber keine erfüllt die heutigen Brandschutzanforderungen. Das gilt auch für die umfangreichen Leitungsschächte, die das gesamte Gebäude durchziehen. Da viele Durchbrüche über keinen Brandschott verfügen, würden diese im Brandfall wie ein Brandkamin wirken, Feuer könnte sich sehr schnell von Geschoss zu Geschoss ausbreiten. Deshalb muss auch die gesamte Gebäudetechnik vollständig demontiert werden, zumal ein Teil der Leitungen bereits während der Bauzeit des Rathauses 1889 bis 1891 verlegt wurden. Das gilt insbesondere für die Entwässerungsleitungen. Die Abbruch- und Demontagearbeiten haben auch statische Probleme offenbart, die im Rahmen der Sanierungsarbeiten jetzt behoben werden sollen.

Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Schutz wertvoller Bauteile gewidmet. So wurden die gesamten hochwertigen, bleiverglasten Fenster im Saalbereich durch Holzfaserplatten von Innen verkleidet, damit diese beim Umbau keinen Schaden nehmen. Dasselbe gilt für den Terrazzo-Bodenbelag im alten Eingangsbereich und im Flur des Erdgeschosses, der ebenfalls mit massiven Holzplatten abgedeckt wurde. Dieser Belag soll im Rahmen der Sanierung aufgearbeitet und schadhafte Stelle ergänzt werden. Bei einigen Wänden, die insbesondere während der Umbauten in den 60-er Jahren eingezogen wurden, fehlen die Deckenanschlüsse, um die Standsicherheit zu gewährleisten. Auch diese Mängel sollen im Zug des Umbaus behoben werden. Im Rahmen der weiteren Abbrucharbeiten wird auch das gesamte geschwungene Treppenhaus über fünf Etagen ausgebaut. Um Erschütterungen in der historischen Gebäudesubstanz zu vermeiden, werden die Betontreppen nicht herausgestemmt, sondern mit einer Schneidetechnik „herausgesägt“. Der gesamte Bauschutt und die demontierten Bauteile werden sortiert und getrennt über einen weiteren Kran, aus dem Rathaus gehoben und mit einem Tieflader abtransportiert. In Kürze sollen auch die Fassaden des Rathauses eingerüstet werden, da im Zuge der Sanierung auch einige Gesimse und Sandsteineinfassungen der Fenster erneuert werden und Fugen abgedichtet werden müssen, um weiteren Witterungsschäden an der Bausubstanz der Außenfassade vorzubeugen.

Bürgermeister Stefan Schwenk betonte gegenüber seinen Magistratskollegen, dass die Freilegung der Gebäudesubstanz einmal mehr bestätige, wie richtig es gewesen sei, dass sich die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat für eine Grundsanierung des Gebäudes entschieden hätten. Das Bürgerbüro wird im Frühjahr bezugsfertig sein, das Rathaus selbst voraussichtlich im Frühjahr 2020.

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