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Aktuelles aus Hünfeld

Das Schweigen der Männer

Hünfeld. Mit seinem Programm „Männer schweigen wortlos“ hat der Kabarettist Clajo Herrmann bei der ausverkauften „Kultur im Lokschuppen“ das Hünfelder Publikum zum Lachen gebracht. Der Aschaffenburger hat am Dienstagabend alles andere als geschwiegen – insofern war sein Auftritt unüblich für das Kommunikations-Portfolio eines Mannes. Aber dafür hat er eifrig aus dem Nähkästchen geplaudert und vor allem den Frauen Tipps mit auf den Weg gegeben.

Clajo Herrmann hat es nicht leicht. Und mit ihm auch viele andere Männer. An die Frauen im Publikum gewandt, sagte er: „Heute Abend gebe ich euch Tipps, damit ihr nicht immer an der gleichen Stelle enttäuscht seid.“ Die Frau müsse immer den Ein-druck erwecken, sie habe noch Interesse am Mann. „Partnerschaft ist wie eine Pa-tenschaft im Zoo. Sie hält die Art am Leben, man kann sie in der Wohnung aber nicht gebrauchen“, formulierte es Herrmann, der bis 2004 evangelischer Gemeindepfarrer war und seither als Vollzeitkabarettist unterwegs ist. Bekannt wurde der Theologe mit seinem Pfarrerkollegen Hans-Joachim Greifenstein als „Babenhausener Pfarrerkaba-rett“.
Auf der Hünfelder Bühne hatte der 63-Jährige seinen Laptop dabei und berichtete während dem Programm immer wieder von Skurrilem aus dem Netz. Mit Witzen wie: „Wie heißen Männer, die 90 Prozent ihres Verstandes verloren haben? – Witwer“ brachte er das Publikum zum Lachen. Herrmann berichtete von Tieren und Tattoos, von der Schule, vom Dschungelcamp, von Superhelden und seinem Stammtisch. „Wir treffen uns alle vier Wochen auf ein Bier – und sagen nichts.“

In den Köpfen der Frauen seien 1000 Schubladen, bei Männern gebe es nur eine – und die klemme. „Ich küss oft, damit einfach mal Ruhe ist“, erklärte er und fügte hin-zu: „Es heißt ja auch: Bevormundung.“ Frauen hätten immer ihre Gefühle dabei, sie wissen, was sie denken und fühlen – „und auch was wir Männer denken und fühlen“. „Bei Frauen ist die Antwort schon fertig, bevor wir Männer wissen, wie die Frage lau-tet“, erzählte der Aschaffenburger. Und Frauen hätten ein unglaubliches Gedächtnis. „Meine Freundin weiß noch, dass ich ihr beim ersten Rendezvous vor 21 Jahren nicht in den Mantel geholfen habe. Aber sie weiß nicht mehr, dass sie gar keinen dabei hatte.“

Im zweiten Teil seines Kabaretts packte Herrmann auch schwierigere Themen an, wie das große Geschenk in einer Demokratie offen seine Meinung sagen zu dürfen. Und auch auf das Thema Sprache ging er ein. „Mädchen entwickeln früher Sprach-kompetenzen. Wir Jungs holen das nicht mehr auf.“ Mit seinem unnachahmlich tro-ckenen Humor gab er dem Publikum aber auch mit auf den Weg: „Wer selber redet, erfährt nichts Neues.“ Der Kabarettist hingegen will Neues lernen. Deshalb besucht er jetzt jede Menge vhs-Kurse in Aschaffenburg – „Die Rolle des Beifahrers erlernen“, „Loslassen üben – wie ich es schaffe, die Fernbedienung weiterzugeben“ und „Wächst Toilettenpapier wirklich am Halter nach?“.

Mit großem Applaus wurde der ehemalige Pfarrer nach seinem zweieinhalbstündigen Programm von der Bühne entlassen. Und auf dem Nachhauseweg lachten noch viele Besucher über die Parallelen, bei denen sie sich oder ihre Partner im Programm wie-dererkannt haben.

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