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Aktuelles aus Hünfeld

Silvesteransprache des Bürgermeisters

Die Silvesteransprache 2018/2019 von Bürgermeister Stefan Schwenk bei der Aufführung des Hünfelder Neujahrsliedes unter den Rathausarkaden im Wortlaut:

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

vor den Weihnachtstagen habe ich einige ältere Mitbürger in unserer Stadt besucht, die auf einen sehr langen Lebensweg zurückblicken können. Einige haben mir dabei von ihren Sorgen erzählt. Dabei war häufig ein Stichwort zu hören: Der Zusammenhalt, der Zusammenhalt in der Familie, der Zusammenhalt in unserer Stadt, der Zusammenhalt in unserem Land, in Europa und der Welt.

Wir leben in Zeiten, in denen manche Politiker nationale Egoismen, Ausgrenzung, ja sogar Hass propagieren, als einfaches Heilsversprechen für die komplizierten Probleme und Herausforderungen dieser Welt. Die ältere Generation hat es am eigenen Leib verspürt, wohin Hass, wohin Rivalität und Nationalismus führen. Es sind genau 80 Jahre her, als auch in unserer Stadt die Synagoge brannte, es sind 73 Jahre her, dass ein verheerender Krieg einen Weltenbrand ausgelöst hatte, der Millionen von Menschen das Leben kostete und ebenso viele Menschen ihre Existenz, ihre Würde und ihr Hab und Gut nahm. Wir müssen wachsam sein, wenn im Alltag, in der Sprache und in der politischen Auseinandersetzung heute wieder Worte und Handlungen gesellschaftsfähig werden, von denen wir glaubten, wir hätten sie längst überwunden. Wenn wir uns heute Abend in guter Hünfelder Tradition gegenseitig einen guten Beschluss und ein frohes neues Jahr wünschen, dann sollten wir dies in dem Bewusstsein tun, dass wir das neue Jahr erfolgreich nur gemeinsam gestalten können, dass wir Herausforderungen am besten mit Einigkeit bestehen. Das gilt für unsere Familien, das gilt für unsere Stadt, unser Land, aber auch für Europa und die Welt.

Wir haben in unserer Stadt noch ein hohes Maß an Einigkeit in den wesentlichen Fragen, und das ist eine wichtige Grundlage, dass wir heute vielleicht besser aufgestellt sind als die meisten Städte unserer Größenordnung und das, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sollten wir uns bewahren.

Einig waren wir uns beispielsweise über alle Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg, dass wir dieses historische Rathaus hier hinter mir, wohl eines im besten Sinne des Wortes stadtbildprägendes Gebäude, für unsere Stadt erhalten wollen. Dazu müssen wir es modernisieren und zukunftsfähig machen. Es war ein langer und aufwendiger Weg bis hierhin, aber jetzt sind die Bauarbeiten im vollen Gange. Das Rathaus ist viel mehr als nur der Sitz unserer Stadtverwaltung, es ist Veranstaltungsstätte, beispielsweise für Kulturveranstaltungen, es steht im Mittelpunkt unseres städtischen Lebens. Das haben mir viele Einzelhändler hier im näheren Umfeld bestätigt, es bringt Leben und Frequenz in unsere Stadt. Deshalb freuen Sie sich, dass im Frühjahr das Bürgerbüro im Haus Mittelstraße 9 fertig werden wird. Dieses Bürgerbüro, in dem auch unser Standesamt und die Ordnungs- und Verkehrsbehörde untergebracht sind, hat die höchste Kundenfrequenz im Rathaus und wird sicher wieder zu einer stärkeren Belebung in der Innenstadt beitragen.

Bald fertig sein wird auch unsere Stadtbibliothek in der Kaiserstraße, die sich in einem völlig veränderten Erscheinungsbild mit vielen neuen Möglichkeiten und Angeboten präsentieren wird. Ich weiß ganz sicher, unsere treuen Leser freuen sich schon darauf und vielleicht gelingt es, noch mehr Menschen anzusprechen, wieder ein gutes Buch in die Hand zu nehmen. Das ist eine Investition in die Zukunft, in die Bildung und in das kulturelle Leben unserer Stadt. Zu den Lesern zählen alle Generationen, aber vor allem Familien, Kinder und Jugendliche.

Diese werden wir im kommenden Jahr besonders in den Fokus nehmen. Wir wollen 2019 mit dem Neubau eines weiteren Kindergartens im Hünfelder Nordend beginnen, nachdem wir in den zurückliegenden Jahren bereits vier zusätzliche Kindergartengruppen geschaffen hatten. Das wird gut drei Millionen Euro kosten, sicher viel Geld, aber für eine erfreuliche Herausforderung. Wir haben mehr junge Familien, die sich in unserer Stadt niederlassen und an eine gute Zukunft hier glauben. Junge Familien haben wieder mehr Kinder. Das ist ein ermutigendes, ein positives Signal, das uns motivieren sollte und alle Anstrengungen wert ist. 

Im neuen Jahr werden wir deshalb auch unter Einbeziehung der Kirchengemeinde entscheiden müssen, wie es mit dem St. Jakobus Kindergarten weitergeht. Ist eine Sanierung möglich oder kommen wir auch da zu einem Neubau? Wenn Sie meine Haushaltsrede zur Hand nehmen, dann wissen Sie, wir werden in den kommenden Jahren allein in diesem Bereich vor Investitionsanforderungen in einer Größenordnung bis zu 10 Millionen Euro stehen.

Und es geht weiter mit anderen Infrastrukturinvestitionen. Nachdem wir unter großen Belastungen in diesem Jahr die Ortsdurchfahrt von Nüst fertig stellen konnten, geht’s weiter im neuen Jahr mit der Erschließung unseres Neubaugebietes Stadtpanorama, mit der Fertigstellung der Straßen in den Neubaugebieten Tiergarten und Südlich Molzbacher Straße. Wir müssen die Nüster Straße in Mackenzell anpacken und wir werden die Ertüchtigung unserer vielen Dorfgemeinschaftshäuser mit den Planungen in Sargenzell sowie den Umbauten in Großenbach, Malges und Roßbach fortsetzen.

Hinzu kommen Aufgaben, wie vier Flurbereinigungsverfahren, die gegenwärtig in Hünfeld laufen. Das Aufwändigste ist sicher in Dammersbach, wo wir präventiven Hochwasserschutz für die Bürger gestalten wollen. Das ist ohnehin ein Thema, das uns in den kommenden Jahren sicher angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Starkregenereignisse weiter beschäftigen wird. Deshalb haben wir bereits Mittel eingeplant für eine Studie für das gesamte Stadtgebiet. In Roßbach haben wir eine Übereinkunft mit Studenten erzielt, die dort für uns die Gemarkung im Hinblick auf den Schutz vor Außengebietswasser analysieren werden.

Und wir müssen im kommenden Jahr sicher einen großen Schritt tun, um unser Logistik- und Gewerbegebiet Hessisches Kegelspiel in Michelsrombach weiter auszubauen, damit wir dort weitere Firmen ansiedeln können. Gleiches gilt für das „Wella-Gelände“ nach dem Aus von Coty. Hier finden derzeit erfolgsversprechende Gespräche mit Folgenutzern für Immobilien und Grundstücke statt. Ich hoffe, hier schon bald positive Nachrichten verkünden zu können.

Manche ältere Leute, mit denen ich in den letzten Wochen gesprochen habe, fragen sich zu Recht, wie kann Hünfeld, wie kann unsere Stadt diese großen finanziellen Herausforderungen stemmen, denn überall, wo gebaut wird, kostet es auch Geld. Ich kann Sie insoweit beruhigen, die meisten der genannten Investitionsmaßnahmen sind bereits in vergangenen Haushaltsjahren solide durchfinanziert worden, wir werden uns nicht neu verschulden müssen, sondern im Gegenteil sogar Kredite zurückzahlen. Möglich ist dies, weil wir wirtschaftlich gut aufgestellt sind und weil wir auch in der Vergangenheit stets Notwendiges von Wünschenswertem unterschieden und nie über unsere Verhältnisse gelebt haben.

Wir haben sogar unsere Pensionsverpflichtungen für Beamte hier aus dem Rathaus als Kapitalvermögen angespart, so dass kommende Generationen dafür nicht aufkommen müssen. Was wir allerdings tun und weiter tun müssen, ist, jede Chance zu nutzen, staatliche Fördermöglichkeiten auszuschöpfen, wie wir dies jetzt beim neuen Kindergarten durch das Förderprogramm Soziale Stadt tun. Da werden wir für den neuen Kindergarten rund 1,8 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten. Es war wichtig, es war richtig, dass wir uns seinerzeit um das Förderprogramm Soziale Stadt für unser Nord- und Ostend beworben haben.

Deshalb, und auch das ist eine gute Botschaft für das neue Jahr 2019, Hünfeld ist solide aufgestellt, Hünfeld steht auf sicherem Fundament. Wir sind wirtschaftlich handlungsfähig, wir haben die Möglichkeit, Herausforderungen anzunehmen und Zukunftschancen zu nutzen. Und das sind wir, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ohne dass wir Ihnen zu tief in die Tasche greifen müssen. Der Landesrechnungshof hat uns im ablaufenden Jahr vorgerechnet, dass wir durch höhere Steuern und Gebühren rund 4,5 Millionen Euro mehr einnehmen könnten, ohne teurer als vergleichbare Städte zu sein. Das wollen wir nicht. Wir wollen das Geld, so lange es geht, in den Taschen unserer Bürgerinnen und Bürgern lassen.

Was mich darüber hinaus mit großer Zuversicht in die Zukunft blicken lässt, sind ungezählte Menschen in unserer Stadt, die wertvolle Arbeit im Ehrenamt leisten, sei es in den Kirchen, der Politik, den Vereinen, Verbänden oder in Brand- und Katastrophenschutzeinrichtungen.

Deshalb - und das wünschen Sie sich sicher genauso wie ich es mir wünsche - das Jahr 2019 hat das Zeug dazu, ein gutes Jahr für unsere Stadt zu werden. Ich bitte Sie, tragen Sie dazu bei, behalten wir unseren Zusammenhalt, damit wir auch im nächsten Jahr hier an gleicher Stelle wieder zusammen kommen können, um rückschauend zu sagen, das Jahr 2019 war ein gutes Jahr; ein gutes Jahr für unsere Stadt und für den Zusammenhalt der Menschen.

Ich danke den Chören, die auch in diesem Jahr wieder das Hünfelder Neujahrslied hier unter den Rathausarkaden unter der musikalischen Gesamtleitung von Monika Meyer aufführen. Auch hier zeigt sich Einigkeit. Frau Meyer leitet den Gesangverein Mackenzell. Das Hünfelder Neujahrslied wird nicht nur von Sängerinnen und Sängern des Männergesangvereins Hünfeld, des Kirchenchores St. Jakobus und des Ökumenischen Singkreises sowie Musikerinnen und Musiker aus unserer Kernstadt, sondern auch aus Mackenzell, Nüst und Dammersbach aufgeführt. Die Feuerwehr, die uns heute Abend in traditioneller Weise mit Punsch versorgt, kommt aus Hünfeld. Herzlichen Dank, dass Sie alle uns Ihre Zeit und Ihr Engagement schenken, um diese schöne Tradition zu pflegen.

Nun wünsche ich uns allen – auch im Namen unseres Stadtverordnetenvorstehers Berthold Quell - ein gesegnetes, ein friedvolles, gesundes und erfolgreiches Jahr 2019 und Gottes Segen für unsere Stadt.

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