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Aktuelles aus Hünfeld

„Gemeinsames Haus Europa darf nicht bröckeln…“



Landerneau. Die Freundschaft zwischen Landerneau und Hünfeld steht auch nach 50 Jahren noch auf festem Grund. Dies wurde bei den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft in Landerneau von vielen Rednern unterstrichen. Landerneaus Bürgermeister Patrick Leclerc betonte bei der offiziellen Festveranstaltung, dass beide Städte stolz auf den zurückgelegten Weg sein können, denn diese Partnerschaft habe dazu beigetragen, Europa zu stärken, Europa sei in der DNA des kulturellen Erbes beider Städte verankert.

Auch sein Hünfelder Amtskollege Stefan Schwenk betonte die Bedeutung dieser Freundschaft, die heute notwendiger denn je sei. Auch wenn das gemeinsame europäische Haus durch viele nationale Egoismen zu bröckeln drohe, sei es Aufgabe und Pflicht der Bürger, dafür einzutreten, damit auch die Kinder und Kindeskinder noch ein sicheres Dach im gemeinsamen Haus Europa haben können. Auch Leclerc bekräftigte, das ein Rückfall in nationale Souveränität die Herausforderungen der Zukunft nicht lösen werde, sondern künftige Generationen gar ohne Zukunft zurücklassen würde. Die überzeugten europäischen Bürger und Städte müssten ihre Stimme für ein ehrgeiziges Europa erheben, in dessen Zentrum die gemeinsamen Anliegen und Bedürfnisse aller Europäer stünden. Würde, Freiheit, Gleichheit und Solidarität, Bürgerrechte und Gerechtigkeit seien Fundamente Europas, die es auch für kommende Generationen zu schützen gelte. Im Rahmen des Festaktes unterzeichneten beide eine Urkunde, mit der Landerneau und Hünfeld ihr Freundschaftsversprechen erneuerten.

Roza Malik, Bürgermeisterin aus Hünfelds polnischer Partnerstadt erinnerte an das Wort des früheren Bürgermeisters von Landernau, Jean Pierre Thomin, der bei der Begründung der Partnerschaft in Proskau 1997 gesagt hatte, dass ganz Europa erst dann wirklich einig sei, wenn die selben Werte wie Freiheit und Demokratie vom Atlantik bis zum Ural Gültigkeit hätten.

Die Abgeordnete der französischen Nationalversammlung aus dem Finistere, Graziella Melchior, erinnerte an die Anfänge der Städtepartnerschaft, die aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges entstanden sei. Dieser Krieg habe nur Verlierer hinterlassen und zur Erkenntnis geführt, dass Europa nur auf einem gemeinsamen Weg die Zukunft meistern könne. Diesen Weg gelte es auch für die Kinder und Kindeskinder zu erhalten. Das sei Aufgabe und Mission auch der Städtepartnerschaften, ein offenes, einiges und friedliches Europa mit Enthusiasmus zu schaffen. Für Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk und den Vizepräsidenten des Partnerschaftsvereins von Landerneau, Pierre Pouchus, hatte sie eine besondere Auszeichnung mitgebracht, sie überreichte beiden die Ehrenmedaille der Nationalversammlung. Auch Landerneaus Bürgermeister Patrick Leclerc sprach im Rahmen der Festveranstaltung besondere Würdigungen aus. Er verlieh die Ehrenmedaille der Stadt Landerneau an seinen Hünfelder Amtskollegen Schwenk und an die Vorstandsmitglieder des Partnerschaftsvereins, Stadtverordnetenvorsteher Berthold Quell und Rita Fennel.

Rita Fennel verlas im Rahmen der Festveranstaltung eine Grußbotschaft des Ehrenvorsitzenden des Hünfelder Partnerschaftsvereins Eugen Kutzka, der darin seinen großen Dank und Respekt für alle, die sich in fünf Jahrzehnten für diese Freundschaft engagiert haben, zum Ausdruck brachte. Leider erlebten heute viele Menschen in der Tagesaktualität Europa eher als Enttäuschung. Vielmehr müsse die geschichtliche Dimension dieser Einigung ins Bewusstsein gebracht werden, die diesem Kontinent immerhin sieben Jahrzehnte Frieden und Freiheit gebracht habe. Berthold Quell überbrachte eine Grußbotschaft des Steinberger Bürgermeisters Andreas Gruner aus der Deutsch-Deutschen Partnerstadt Hünfelds, der die Wichtigkeit der gelebten Freundschaft hervorhob. Partnerschaften sind aus seiner Sicht wichtiger denn je, um beieinander zu bleiben und miteinander auch über politische Grenzen hinweg den Blick in die Zukunft richten zu können.

Zuvor war die Hünfelder Delegation bereits in Paris durch den Präsidenten der Nationalversammlung, Richard Ferrand empfangen worden. Die Hünfelder konnten mit ihren französischen Gastgebern dabei dem festlichen Einzug des Parlamentspräsidenten in die Nationalversammlung, begleitet von der Nationalgarde, beiwohnen. Richard Ferrand, der sich zwei Tage zuvor noch mit seinem deutschen Amtskollegen Wolfgang Schäuble in Kiel getroffen hatte, kommt aus dem Finistere und beglückwünschte Hünfeld und Landerneau zu ihrer außergewöhnlichen Freundschaft. Ferrand gehörte zu den Wegbereitern der „En Marche-Bewegung“ des amtierenden französischen Präsidenten, Emmanuel Macron, und hatte als junger Mann in Deutschland sein Abitur abgelegt.

 Foto: Michael Schön

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