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Aktuelles aus Hünfeld

Schwenk fordert Senkung der Lärmgrenzwerte

Hünfeld. Eine gesetzliche Veränderung der Vorgaben bei den Themen Schienen- und Straßenlärm fordert Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk. Ansonsten werde es in dieser Frage auch künftig nur Tippelschritte im Interesse der Betroffenen geben können.

Erst kürzlich habe er mit Vertretern des Regierungspräsidiums und von Hessen Mobil zusammen gesessen, um die Belastungen für die Anwohner für alle Haupt-verkehrsstraßen im Stadtgebiet und entlang der Autobahn A7 im Buchfinkenland zu erörtern. Kein Thema war hier der Schienenlärm, da Schallschutzmaßnahmen im Bereich der Bahnlinien in der Zuständigkeit des Eisenbahnbundesamtes vorgenommen werden. Im Gesprächstermin mit dem Regierungspräsidium sei deutlich geworden, dass trotz der von den Anwohnern empfundenen hohen Belastungen die gesetzlichen Auslösewerte für Lärmsanierungsmaßnahmen nur bei einigen Wohngebäuden im Bereich der Kernstadt und in den Stadtteilen erreicht werden.

Die Eigentümer hätten möglicherweise dann Anspruch auf die Bezuschussung von Schallschutzfenstern, wenn ihre Häuser älter als Baujahr 1974 seien.
Grundlage für die Bemessung der gesetzlich zulässigen Höchstgrenzwerte bei Lärm sei ein rechnerisch ermittelter Mittlungspegel. Dabei liegt der Mindestwert für den Anspruch auf eine Bezuschussung von Lärmsanierungsmaßnahmen in Wohn-bereichen bei 67 dB(A) tags und 57 dB(A) nachts. In Dorf- Kern- oder Mischgebieten liegt dieser Wert mit 69 dB(A) tags und 59 dB(A) nachts noch um ein Vielfaches höher.
Straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen mit der Möglichkeit der Festsetzung von LKW - Fahrverboten oder von Geschwindigkeitsreduzierungen bedürften einer Lärmbelastung in Wohnbereichen von 70 db(A) tags und 60 db(A) nachts. In Dorf- Kern- oder Mischgebieten liege dieser Wert mit 72 dB(A) tags und 62 dB(A) nachts. Diese Werte würden nur selten erreicht, heißt es weiter in der Mitteilung des Bürgermeisters. Um aktive Lärmschutzmaßnahmen in Form von Lärmschutzwällen oder Lärmschutzwänden zu erlangen, läge die Messlatte sogar noch höher.

Das mache deutlich, so der Bürgermeister, dass hier die gesetzlichen Anforderun-gen angepasst und im Interesse der durch Lärm belasteten Menschen verändert werden müssten. Passiver Schallschutz durch den Einbau von Schallschutzfens-tern in Schlafzimmern, die in Richtung der Lärmquelle ausgerichtet seien, könnten das Problem für die Lebensqualität der Betroffenen nicht nachhaltig lösen. „Wer lüftet oder bei offenem Fenster schläft, hat nichts davon“, betont der Bürgermeister.

Ein weiteres Problem, das sich in seinen bisherigen Gesprächen mit Ministerien und Fachbehörden offenbart habe, sei, dass in Hünfeld Anfang der 90er Jahre in Bezug auf den Bahnlärm passive Schallschutzmaßnahmen, wie der Einbau von schallisolierenden Fenstern in den Bereichen von Rückers und Nüst, bereits bezuschusst worden seien. Hünfeld gelte deshalb nach den gegenwärtig gültigen Spielregeln als ein „lärmsanierter Bereich“ in Bezug auf den Bahnlärm, schreibt der Bürgermeister.

Zwar wurde durch das Eisenbahnbundesamt im Frühjahr diesen Jahres angekündigt die Lärmschutzwerte neu festzulegen und alle Lärmkonfliktpunkte im Bereich Schiene neu zu betrachten, dennoch kommt im aktuell fortgeschriebenen „Lärmak-tionsplan - Schiene“ das Stadtgebiet von Hünfeld, trotz hoher Beteiligung der Be-völkerung im Rahmen der Offenlegung, hinsichtlich der Vornahme von Lärm-schutzmaßnahmen nicht vor. Das ist aus Sicht von Schwenk sehr unbefriedigend. Schallschutzfenster seien nur eine Teillösung, erhöhten die Lebensqualität aber nicht wesentlich, wenn sie geöffnet würden und verbesserten die Situation nicht beim Aufenthalt im Freien. Deshalb sieht der Bürgermeister darin keine nachhaltige Lösung: „Das bringt für Rückers, Nüst und die Hünfelder Kernstadt sehr wenig“. Deshalb habe die Stadt auch in der Vergangenheit auf Eigenhilfe setzen müssen, beispielsweise durch die Anlage eines Erdwalls entlang der Bahnlinie im Bereich der Hersfelder Straße. Dies sei aufgrund der Platzverhältnisse aber nicht überall möglich oder fachtechnisch nicht immer zielführend.

„Wenn wir hier vorankommen wollen, dann braucht es auch eine Veränderung der rechtlichen Grundlagen und der Senkung der Lärmschutzwerte. Es handelt sich bei der anzuwendenden Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutz-gesetzes um Bundesrecht. Änderungen hierzu müssen in Berlin entschieden wer-den, so der Bürgermeister. Deshalb bleibe nichts anderes übrig, als weiter Druck über die örtlichen Wahlkreisabgeordneten und durch die Beteiligung der Bürger-schaft an der Offenlegung von Lärmschutzplänen zu machen.

Die Mehrzahl der betroffenen Standorte in Hünfeld entlang der Hauptverkehrstrassen liegen derzeit noch knapp unter der Schwelle der gesetzlichen Vorgaben. Deshalb müsse das Ziel heißen, diese zugunsten der Betroffenen zu verschieben, so Schwenk. Nur dann werde der Erfolg hörbar werden.

 

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