Aktuelles aus Hünfeld

Ehrenmedaille für Theo Flügel

Hünfeld. Für ihn war es, wie er selbst formulierte, der letzte Vorhang: Der langjährige Erste Stadtrat Theo Flügel wurde im Rahmen einer Festveranstaltung zum Ehrenstadtrat ernannt und mit der Ehrenmedaille der Stadt Hünfeld ausgezeichnet. Der Saal, gefüllt mit Freunden, politischen Weggefährten und Angehörigen seiner Familie, spendeten Flügel, der zum Jahreswechsel sein Amt aufgegeben hatte,stehenden und langanhaltenden Applaus.

Bürgermeister Stefan Schwenk nannte ihn einen politischen Charakterkopf, ehrlich, geradlinig, mitfühlend und bereit, Verantwortung zu tragen. Er sei dankbar für jeden Tag, den er Theo Flügel an seiner Seite wusste. Er habe weder sich selbst noch andere geschont, sein ehrenamtlicher Einsatz hätte auch für ein ausgefülltes Hauptamt mehr als ausgereicht, sagte der Bürgermeister. Wer sich Flügel als Mensch nähern wolle, müsse einen Blick auf seinen Lebensweg werfen. Jede Form von Ungerechtigkeit habe Theo Flügel schwer ertragen können. Als Kind sei er mit seiner Familie unter gefahrvollen Umständen aus dem grenznahen Wiesenfeld vor dem SED-Regime geflohen, da seine Familie bei der „Aktion Ungeziefer“ der Staatssicherheit eine Deportation gedroht hätte. Wieder sei es eine große Ungerechtigkeit gewesen, die Theo Flügels Weg in die Politik geebnet habe. Er sei zum Sprecher der Bürgerinitiative zum Erhalt des Bundesgrenzschutzes in Hünfeld ernannt worden, nachdem dieser Standort entgegen aller vorherigen Expertisen zugunsten von Fulda geschlossen werden sollte. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel sei es ihm zu verdanken, dass die Bundespolizei in Hünfeld erhalten geblieben sei.

Es folgten 1993 die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung, 2001 die Wahlen im Magistrat und die Tätigkeit als Erster Stadtrat seit 2013. Als Magistratsmitglied habe er viele Aufgaben ganz eigenständig bearbeitet. So habe er sich unter anderem um das Feuerwehrwesen gekümmert, zuvor auch die Sportkommission, die Agenda 21/Umweltkommission geleitet und viele andere Aufgaben übernommen. Theo Flügel habe sich nie nach Macht und Gestaltungsmöglichkeit gedrängt, ihm seien die Ämter angetragen worden, sagte Schwenk, der Flügel als ein Beispiel eines bürgernahen Mandatsträgers bezeichnete. Theo Flügel habe sich das Vertrauen und die Wertschätzung der Bürger durch seine authentische Art im höchsten Maße verdient. In seinem Dank schloss der Bürgermeister auch Flügels Familie und Ehefrau Evelinde ein, die ihren Mann über viele Jahre der Stadt „zur Verfügung“ gestellt und ihn dabei auch den Rücken gestärkt habe. Zuvor hatte bereits Stadtverordnetenvorsteher Berthold Quell die Bedeutung des Ehrenamtes in der Kommunalpolitik hervorgehoben. Ehrenamtliche Mandatsträger seien das Salz in der Kommunalpolitik. Umso wichtiger sei es, dass solche herausragenden Persönlichkeiten wie Theo Flügel auch Anerkennung und Wertschätzung erhielten. Für die CDU-Fraktion und seine Partei gratulierte deren Fraktionsvorsitzender Benjamin Tschesnok, der bekannte, dass „ein Theo“ wahrscheinlich nicht zu ersetzen sei. Er habe klare Kante gezeigt, immer wo es für die Stadt notwendig gewesen sei und sich mit großer Leidenschaft für Hünfeld und die Bürger der Stadt eingesetzt. Auch Stadtbrandinspektor Thorsten Rübsam bedauerte den Abschied des langjährigen Ersten Stadtrates. Er habe großen Anteil daran, dass die Feuerwehren in Hünfeld so gut aufgestellt seien. Theo Flügel hat dafür gestanden, dass das Feuerwehrwesen in Hünfeld nicht als „lästige Pflichtaufgabe“, sondern als zentrale Aufgabe für die Sicherheit der Bürger angesehen werde. Dabei habe er das „Ohr stets nahe bei der Truppe“ gehabt.

Theo Flügel selbst zeichnete in seinen Dankesworden noch mal die vielen Stationen nach, die seinen politischen Weg geprägt hatten. Er habe seinerzeit, als er sich für den Erhalt des Bundesgrenzschutzes eingesetzt hatte, nie geahnt, was da 25 Jahre lang in der Kommunalpolitik auf ihn zukommen werde. Heute sei es uneingeschränkt richtig, dieses Amt in hauptamtliche Hände zu geben, und mit Stefan Schubert sei ein ausgezeichneter Nachfolger gefunden.

Als wesentliche Marksteine seiner kommunalpolitschen Laufbahn nannte er den Krankenhausneubau, den Bau der Flüchtlingsunterkunft, den zweiten Umbau des Rathauses, die Sanierung des Stiftsgewölbes, die Umwandlung des alten Krankenhauses in eine Seniorenresidenz, den Neubau des Kindergartens in Mackenzell, die Ausrichtung des Hessentages, den Neubau der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung, die prekäre Entscheidung um die Ansiedlung einer Justizvollzugsanstalt, den Bau des Jugendtreffs und der Vinzenz-von-Paul-Schule, die Sanierung der Aha Liegenschaft, die Einführung der Nachmittagsbetreuung an den Hünfelder Schulen, den Beginn der interkommunalen Zusammenarbeit und den Bau des Kegelspielradweges, die Umwandlung der Museen in Stiftungen und vieles andere mehr. All diese Aufgaben seien sehr ausfüllend, fordernd, aber auch produktiv gewesen. Er schätze sich glücklich, ein Hünfelder Bürger zu sein und dankte auch allen politischen Weggefährten und den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die ihn stets begleitet hätten.

Besondere Worte des Dankes richtete er aber an seine Familie und seine Ehefrau Evelinde, für die er in den kommenden Jahren mehr da sein könne. Festlich umrahmt wurde die Veranstaltung durch den jungen Hünfelder Pianisten Djuy Huynh Quang am Flügel, der Werke von Chopin, Liszt und Mozart darbot.