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Aktuelles aus Hünfeld

Leben auf der Straße

Hünfeld. Innerhalb der Frauenwoche hat die Stadt Hünfeld zu einer interessanten Lesung ins Museum Modern Art eingeladen. Die Autorin Regine Kölpin las aus ihrem Thriller „Straßenschatten“, sprach über ihre Recherchen in der Obdachlosen-Szene und berichtete über die Stellung und Ungleichheit der Frau in der Literatur.
Anschaulich und mitreißend las Regine Kölpin aus ihrem Buch vor. Dabei geht es um die Obdachlose Frieda und die Oldenburger Studentin Paula. Jeden Morgen schenkt Paula Frieda ein belegtes Brot –bis eines Tages nur noch ein verlassender Wollmantel an Friedas Platz an der Haltestelle liegt. Ein unbestimmtes Gefühl sagt Paula, dass Frieda nicht freiwillig verschwunden ist. Zudem ist ein obdachloser Mann von Unbekannten überfallen worden. Die junge Studentin gerät in den Kreis der Verdächtigen. Und auch zwischen Frieda und Paula gibt es offenbar auf einer anderen Ebene eine Beziehung. Doch wie das Buch endet – das verriet Regine Kölpin natürlich nicht.
Zwischen den Passagen informierte die Schriftstellerin über das Thema Obdachlosigkeit. Für ihre Arbeit an dem Buch recherchierte sie intensiv in der Obdachlosen-Szene. Aus ihren Erfahrungen, die sie sammelte, erschuf sie ihre Hauptdarstellerin Frieda – ein Mosaik der vielen obdachlosen Frauen. „Der Weg in die Obdachlosigkeit hat vielfältige Ursachen“, erklärte Kölpin. Die Frauen hätten häufig Gewalt erlebt, könnten schwer mit Krisensituationen umgehen. 2017 gab es in Deutschland 52.000 Obdachlose. Das ist eine Steigerung von einem Drittel, erklärte Regine Kölpin. In diesem Jahr sollen weitere 10.000 Obdachlose hinzukommen. Bei den Zahlen nicht mit eingerechnet seien Flüchtlinge.
Die Autorin (Jahrgang 1964) lebt seit ihrer Kindheit an der Nordseeküste. Sie hat etliche Romane und Kurztexte geschrieben und ist auch als Herausgeberin tätig. Mit ihrem Mann Frank Kölpin konzipiert sie Musik-und Bühnenprojekte. Im Gespräch mit den Zuhörern wurde deutlich, wie vielfältig Regine Kölpin unterwegs ist. Sie schreibt humorvolle Familienromane, historische Romane, Kriminalromane und Kinder- und Jugendliteratur. „Etwa ein Jahr schreibe ich an einem Buch“, erklärte Kölpin und verriet, dass ihre Kreativphase gegen 16 Uhr startet. Ihr Ziel sei es, täglich zehn Seiten Rohmaterial zu schreiben. „Ich freue mich immer wieder auf den nächsten Tag, wenn ich weiterschreiben kann“, sagte sie.
Passend zur Frauenwoche thematisierte die Autorin zudem die Stellung und Ungleichheit der Frau im literarischen Bereich. Sowohl in der Jury vieler namhafter Literaturpreise als auch unter den Ausgezeichneten sei der Frauenanteil noch heute erschreckend gering.
Zu Beginn der Veranstaltung hatten Stadträtin Martina Sauerbier und Kurator Günter Liebau die Zuhörer bei der Lesung im Museum Modern Art willkommen geheißen.
BU_3: Auf anschauliche Weise las Regine Kölpin aus ihrem Buch „Straßenschatten“ vor.

 

 

2017 gab es in Deutschland 52.000 Obdachlose. Das ist eine Steigerung von einem Drittel, erklärte Regine Kölpin. In diesem Jahr sollen weitere 10.000 Obdachlose hinzukommen. Bei den Zahlen nicht mit eingerechnet seien Flüchtlinge.

 

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