Bürgerversammlung

Themen aus erster Hand

Stadtverordnetenvorsteher Berthold Quell, der jährlich zu dieser Bürgerversammlung einlädt, freute sich über die gute Resonanz, bevor Bürgermeister Benjamin Tschesnok in die einzelnen Themen einstieg. Zum „Masterplan“ für die Hünfelder Innenstadt gab Tschesnok einen Zwischenstand zu dem Verfahren, in dem Geschäftsinhaber, Bewohner, Kunden und Besucher im vergangenen Herbst Gelegenheit hatten, ihre Ideen, Vorschläge aber auch Kritik in einem Online-Format einzubringen. Durch einen Beitrat und mit der Unterstützung des Planungsbüros seien die Ergebnisse mittlerweile ausgewertet worden. Die Beratungen sollen in einen „Masterplan“ für die Innenstadt münden, über den die Stadtverordneten im Sommer abschließend beraten werden. Eines zeichne sich aber schon heute ab, der lokale Einzelhandel werde es in Zukunft nicht mehr alleine sein, der das innerstädtische Leben ausmache. Vielmehr werde es in Zukunft ein Mix aus Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistung und hoher Aufenthaltsqualität sein.

In Bezug auf die kommunale Wärmeplanung berichtete der Bürgermeister, dass die Stadt gut daran getan habe, sehr früh eine kommunale Wärmeplanung auf den Weg zu bringen, weil sie für das mit rund 120 000 Euro veranschlagte Projekt noch Fördermittel in Höhe von rund 90 Prozent erhalten habe. Nach dem Start zum Jahreswechsel würden derzeit die Daten zu den Bedarfen, aber auch möglichen Erzeugungsquellen erhoben. Am Ende solle quasi auch eine Machbarkeitsstudie stehen, wo beispielsweise Nahwärmekonzepte wirtschaftlich umgesetzt werden könnten und wo in Zukunft weiterhin dezentrale oder individuelle Lösungen im Rahmen der Energiewende erforderlich seien. Für die stadteigenen Stadtwerke, aber auch für viele Immobilienbesitzer sei diese Planung von zentraler Bedeutung, weil sie im Angesicht der Dekarbonisierung Antworten auf diese Zukunftsfragen brauchten. Im Laufe der Planung werde es zwei Beteiligungsrunden für die Bürgerschaft geben. Bis Anfang kommenden Jahres könne ein flächendeckender Wärmeplan für ganz Hünfeld vorgelegt werden, so der Bürgermeister.

Auch zu den bevorstehenden Straßenbaumaßnahmen im laufenden und kommenden Jahr gab der Bürgermeister einen Statusbericht. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt alle kommunalen Straßen mit KI-gestützter Videotechnik befahren, um ein verlässliches Bild über den Zustand und den Sanierungsbedarf von Straßen zu erhalten. Um das anerkannt gute Niveau zu erhalten, müsse die Stadt nach heutigem Stand jedes Jahr rund 3,2 Millionen Euro investieren. Das habe die Stadtverordnetenversammlung in einem Grundsatzbeschluss gefestigt. Auffallend sei gewesen, dass die KI-generierten Ergebnisse der Untersuchungen sich bis auf zwei Straßen mit den Feststellungen erfahrener Bauingenieure aus dem Stadtbauamt deckten, die bislang auf herkömmliche Weise die Straßen im Blick gehalten hätten. „Die haben da einen guten Job gemacht“, befand der Bürgermeister.

Ein weiteres Thema war das Hessentagsrevival zum 25jährigen Jubiläum des Hessentages in Hünfeld. Dabei verwies Tschesnok auf das mehrtägige Festival im Haselgrund Ende Mai und das erweiterte Gaalbernfest, aber auch die 1000-Jahr-Feier in Großenbach und das 100jährige Jubiläum der Hünfelder Feuerwehr und viele andere Veranstaltungen, die Eingang in das Programm gefunden hätten. Besonders plädierte er dabei für die vielen Vereinsfeste und warb für deren Besuch, denn Vereine leisteten einen unverzichtbaren Beitrag zur Gemeinschaft.

Einen breiten Raum nahm die Diskussion um die nach wie vor vorhandene Geruchsproblematik im Bereich des Hünfelder Industriegebietes Nord/West ein. Der Bürgermeister stellte dazu eine App auf Grundlage der Hünfeld App vor, auf deren Grundlage betroffene Bürger sehr einfach ihre Wahrnehmungen dokumentieren könnten. Die Stadt werde diese Daten an die zuständigen Behörden beim Regierungspräsidium Kassel weitergeben, die damit für ihre Überprüfungen des möglichen Verursachers eine verlässliche Datengrundlage erhielten. Leider habe die Stadt keine eigenen rechtlichen Einwirkungsmöglichkeiten. Sie könne Hinweise nur weitergeben und auf Lösungen drängen. Das tue sie, betonte der Bürgermeister. Von einigen Betroffenen wurde als Verursacherin die Industriekläranlage von Hochwald benannt. Sie befürchteten nicht nur Geruchsbelästigungen, sondern auch gesundheitliche Gefahren.