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Aktuelles aus Hünfeld

Gutachter: Windräder nicht genehmigungsfähig

 

Hünfeld-Dammersbach. Die drei Windräder, die im vergangenen Jahr in Dammersbach in Betrieb gegangen waren, hätten nach Einschätzung des Diplom-Biologen Stefan Stübing nicht genehmigt werden dürfen. Diese Auffassung vertrat er bei der Präsentation seiner Untersuchungsergebnisse in Dammersbach, zu der die Bürgerinitiative zum Schutz von Mensch, Flora und Fauna eingeladen hatte. Stübing konnte sein Gutachten, das durch die Bürgerinitiative mit Unterstützung der Stadt Hünfeld beauftragt worden war, an Bürgermeister Stefan Schwenk, Ortsvorsteher Siegfried Bug und den Vorsitzenden der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Dieter Kolb, überreichen.

In seinem Gutachten, das er im gut gefüllten Bürgerhaus von Dammersbach vorstellte, zeigte er auf, dass von den insgesamt elf Brutstandorten für den sehr seltenen und geschützten Rotmilan zahlreiche Flugbewegungen zur Nahrungssuche über das Gebiet der Windkraftanlagen gehen. Die von der Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarte geforderten Richtwerte mit Abstandsflächen mit mindestens 1.000 bis zu 1.500 m für Rotmilanstandorte würden nicht eingehalten. Auch der Bestand beim Wespenbussard werde durch die Windkraftanlagen beeinträchtigt, ein Brutplatz befinde sich sogar mitten in dem durch das Regierungspräsidium geplanten Gebiet zur Ausweisung von Vorrangflächen für Windkraft. Der Rotmilan gehört nach den Worten von Stübing nicht nur zu den seltensten Greifvögeln, der weltweite Bestand werde auf nur noch 24.000 Stück beziffert, er sei auch das Tier, das durch Windkraftanlagen am stärksten gefährdet würde. Über 400 Tiere seien allein im vergangenen Jahr durch Windkraftanlagen getötet worden.

Der Diplom-Biologe hatte insgesamt 54 Stunden lang an verschiedenen Tagen die Flugbewegungen der Brutvögel im Einzugsgebiet von Dammersbach beobachtet und daraus eine Raumnutzungsanalyse erstellt. Seine Feststellungen decken sich zu 100 Prozent mit den Beobachtungen von ehrenamtlichen Vogelkundlern aus der Region, die im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative zu vergleichbaren Erkenntnissen gekommen waren. Habe früher die Wissenschaft angenommen, dass Rotmilane im Wald brüteten und von dort nur in das offene Land auf Nahrungssuche fliegen, so hätten die Untersuchungen eindeutig bestätigt, dass bei offeneren Waldbeständen, so wie sie in Dammersbach anzutreffen seien, der Rotmilan gerade über Waldgebieten auf Futtersuche gehe, erklärte Stübing. Die umfangreichen Rodungen im Zuge des Baues von Windkraftanlagen lockten ihn geradezu an in diese gefährlichen Bereiche. Ortsvorsteher Siegfried Bug, zugleich Sprecher der Bürgerinitiative, und der HGON-Vorsitzende Kolb kündigten an, dass sie die Ergebnisse dieses Gutachtens noch als Beweismittel im Rahmen des laufenden Rechtsstreits um die Genehmigung der bereits errichteten Windräder einführen.

 

 

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