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Aktuelles aus Hünfeld

Verbinden statt Abgrenzen

 

Hünfeld. Wurde zu Reformationsjubiläen in der Vergangenheit oft das Trennende in den Vordergrund gestellt, so stand das 500-jährige Jubiläum des Anschlags der 95 Thesen von Martin Luther in der Hünfelder Kirchengemeinde ganz im Zeichen des Verbindenden zwischen den Konfessionen. Das machte bei einem feierlichen Gottesdienst in der Stiftskirche Pfarrer Jürgen Gossler schon in seinen Eingangsworten deutlich. Heute gehe es um Versöhnung und Wertschätzung, den Glauben an Gott, der sich in Jesus Christus offenbart habe. Das sei es, was die Christen verbinde. Auch Pfarrer Stefan Remmert griff die gemeinsamen Aufgaben der Christen in seiner Festpredigt auf, in der er sich vor allem dem von Luther geschaffenen Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“ zuwandte. Dieses Lied sei vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit des Dritten Reichs immer wieder missbraucht worden. Es gehe nicht darum, Feinden aus einer festen Burg entgegen zu treten. Die feste Burg sei die allein mit dem Wort und der Liebe streitende Kirche. In Gott sei alle Gerechtigkeit und Freiheit des Menschen, das verlange von den Gläubigen Verantwortung für die Welt und sei ein kostbares Geschenk, das er den Menschen in der Taufe gegeben habe. Der Christ habe die Freiheit und die Verantwortung, dem Bösen in der Welt entgegen zu treten.

Musikalisch umrahmt wurde der feierliche Gottesdienst in der überfüllten Stiftskirche von dem Chor Sing-a-pur aus Mackenzell. Im Anschluss an den Gottesdienst betonte Stadtpfarrer Peter Borta von der Katholischen Kirchengemeinde Hünfeld, dass katholische und evangelische Christen nur gemeinsam die Zukunft gestalten könnten. Die Menschen hätten eine Sehnsucht nach Antworten. Deshalb dürfe die Theologie den großen Fragen nicht ausweichen. Die Christen hätten für die Sinnfragen des Lebens durch Gott eine unüberwindbare gemeinsame Antwort. Dass die Gemeinsamkeit zwischen evangelischen und katholischen Christen in Hünfeld nicht erst zu diesem besonderen Jubiläum gepflegt werde, machte Bürgermeister Stefan Schwenk in einem Grußwort deutlich. Evangelische und katholische Kirchengemeinden, aber auch die politische Gemeinde hätten eine gemeinsame Verantwortung für die ihnen anvertrauten Menschen. Die Evangelische Kirchengemeinde habe in den mehr als 150 Jahren ihres Bestehens Christen eine Heimat gegeben, seien es die evangelischen Christen, die im 19. Jahrhundert durch die kurhessische Verwaltung nach Hünfeld gekommen seien oder auch die vielen Russlanddeutschen, die vor rund zwei Jahrzehnten kamen. In dieser Tradition engagiere sich die evangelische Kirchengemeinde heute auch besonders um die Integration der Flüchtlinge, die gegenwärtig nach Hünfeld kommen. Schwenk stellte auch den Bezug zum 500-jährigen Jubiläum der St.-Jakobus-Kirche her. Dort hätten im Zuge der Reformation anfangs auch reformierte Pfarrer gepredigt, die Region sei aber überwiegend katholisch geprägt geblieben. Dennoch stehe die Gemeinde in einer guten Tradition der Ökumene. Der Bürgermeister zitierte dazu ein Wort des Bischofs der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, der hervorgehoben habe, dass das Trennende überwunden werden müsse. Was evangelische und katholische Christen unterscheide, mache sie zu dem, was sie seien, am stärksten aber sei der gemeinsame Glaube an Jesus Christus. Beim Blick in die Zukunft machte Schwenk deutlich, dass Christen beider Konfessionen sicher die Herausforderungen der Zukunft trotz aller Unterscheide nur gemeinsam gestalten könnten.

 

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