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Aktuelles aus Hünfeld

Elisabeth Sternberg-Siebert wurde 80

Hünfeld/Burghaun. Zwar hatte Elisabeth Sternberg-Siebert schon zu ihrem 75. Geburtstag angekündigt, etwas kürzer treten zu wollen, doch auch zu ihrem 80. Geburtstag, den sie jetzt in Burghaun feiern konnte, ließ sie ihre Gäste an neuen Ideen für Projekte teilhaben. Erster Stadtrat Theo Flügel würdigte sie in seinen Glückwunschworten als „das Gewissen“ der Region in Bezug auf die dunkelsten Jahre deutscher Geschichte in der NS-Zeit. Zu den Gratulanten gehörten auch Burghauns Bürgermeister Simon Sauerbier, die Leiterin des Konrad-Zuse-Museums mit Stadt- und Kreisgeschichte, Ute Schneider, und Museumsgeschäftsführer Karl Sauerbier. Ihr habe es die Region zu verdanken, dass die Geschichte der jüdischen Mitbürger des Hünfelder Landes nicht in Vergessenheit geraten sei, betonte der Erste Stadtrat, der auf die Publikationen der 80-jährigen sowie ihre Arbeit für das Hünfelder Museum verwies. Auch die Stolpersteine, die in Hünfeld und Burghaun an die Häuser ehemaliger jüdischer Familien erinnern, wurden durch die heute 80-jährige mit angestoßen.

Die Pfarrerstochter hatte einen ungewöhnlichen Lebensweg. Von Hause aus war sie Tontechnikerin beim Rias in Berlin und später beim Bayrischen Rundfunk, bis sie ihren Mann kennenlernte. Es folgte die Geburt der drei Kinder, doch das sollte es nicht gewesen sein, sagte die 80-jährige während ihres Geburtstags. Deshalb habe sie noch ein Lehramtsstudium angehängt und war bis zu ihrer Pensionierung als Lehrerin tätig.

Das Interesse für die jüdische Geschichte und jüdische Kulturgeschichte des Hünfelder Landes wurde anlässlich des 50. Jahrestags der sogenannten Reichspogromnacht geweckt. Damals machte sie sich für die Errichtung einer Gedenktafel in Burghaun stark, musste aber feststellen, dass außer dem jüdischen Friedhof kaum noch Spuren der Lebensgeschichten der ehemaligen jüdischen Mitbürger vorhanden waren. Sie recherchierte, sammelte, reiste sogar nach Amerika, um mit ehemaligen jüdischen Bürgern aus der Region zu sprechen. Daraus entstand später ein Buch, das die Geschichte und Familiengeschichten der jüdischen Familien im Hünfelder Land darstellt. Bei diesen Recherchen lernte sie auch den gebürtigen Hünfelder Juden Alfred Strauss kennen, der als 7-jähriges Kind von seinen Eltern nach Holland geschickt wurde, um der Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Mit dem heute in New York lebenden gebürtigen Hünfelder entwickelte sich durch Besuche und Korrespondenz eine Freundschaft, die schließlich in die Idee mündete, ein Buch über die Lebensgeschichte der Familie Strauss herauszugeben. Die Familie steht exemplarisch für die Biografien von jüdischen Familien in der Region. Während Alfred Strauss und seine jüngere Schwester mit viel Glück und dank der Unterstützung von Menschen im Untergrund in Holland überlebt hatten, wurde seine ältere Schwester ermordet. Seine Eltern überlebten nur mit viel Glück die Nazibarbarei in einem Konzentrationslager. Auf abenteuerlichen Wegen fand die Familie nach dem Krieg wieder in Schweden zusammen, um von dort nach New York überzusiedeln.

Auch die Abteilung im Museum in Hünfeld, die dem jüdischen Leben im Hünfelder Land gewidmet ist, wurde maßgebend durch Elisabeth Sternberg-Siebert gestaltet.

Trotz ihres Alters hat sie noch weitere Ideen, die Erinnerung an die ehemaligen jüdischen Mitbürger wachzuhalten. So arbeitet die gelernte Tontechnikerin mit ihrer Tochter an digitalen Projekten, die in nächster Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.

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